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Google & Co.: Blutsauger der klassischen Printmedien?
Fastsearch nutzt ambivalentes Verhältnis zwischen Zeitungen
und Suchmaschinen aus
Erzeugt Google ein Ungleichgewicht?
Zürich/Wien - Das Suchmaschinen-Trio Google, Yahoo und Microsoft - kurz GYM
- ist ein Blutsauger der klassischen Printmedienhäuser. Dieser Eindruck
entsteht, wenn man den Schilderungen von Michael Hack, Manager für die
Region Zentraleuropa des norwegischen Softwareunternehmens Fast
http://www.fastsearch.com , glaubt. "Es ist eigentlich pervers, denn Google
produziert nichts Eigenes, sondern profitiert von der Arbeit anderer und
lebt davon mehr als gut", sagt Hack im Interview mit pressetext. Während
Google exponentiell wachse, gingen die Umsätze vieler klassischer
Medienhäuser weltweit zurück, unterstreicht Hack weiter das Ungleichgewicht
am Online-Medienmarkt.
Fast, das bis 2001 mit alltheweb.com selbst eine Internet-Suchmaschine
betrieben hat, macht im Rahmen einer Marketingoffensive eine Tour durch
Europa (Amsterdam, Zürich, Berlin), um neben anderen Produkten seine
Softwarelösung Fastmedia über den norwegischen und US-Markt hinaus bekannt
zu machen. Internationale Verlags- und Medienhäuser nutzen bereits
Fast-Technologien, darunter der Financial Times Verlag, Hearst und Reed
Elsevier. Das Vorzeigebeispiel ist jedoch der norwegische Verlag Schibsted,
dessen Portal sesam.no Fasts Suchlösungen nutzt und sich damit von Google
und seinem Werbeprogramm AdSense unabhängig gemacht hat. Die großen
Suchmaschinen hätten die Beziehung zwischen Medienhäusern und Werbekunden
unterbrochen, unterstreicht Fast-Manager Perry Salomon. "Wir wollen den
klassischen Medienhäusern helfen eine Antwort auf GYM zu geben, die immer
mehr Marktanteile nehmen, den Großteil der Onlineeinnahmen für sich
beanspruchen und überdurchschnittlich wachsen", stellt Hack die Position
Fasts dar.
Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen den klassischen Printmedien und den
Suchmaschinen ambivalent. "Einerseits profitieren die Onlineseiten der
Zeitungen von Google, das den Verkehr auf deren Webseiten lenkt und
zusätzliche Werbeeinnahmen einbringt", so Anja Pasquay, Sprecherin des
Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) http://www.bdzv.de , im
pressetext-Gespräch. Auf der anderen Seite bediene sich Google der Inhalte
ohne Autorisierung und ohne dies entsprechend zu honorieren, beklagt Pasquay.
Jüngstes Beispiel für das ambivalente Verhältnis, ist der Rechtsstreit
zwischen belgischen Medien und Google. Der belgische Zeitungsverband
Copiepresse wehrte sich dagegen, dass Google auf seiner News-Suche ohne
Erlaubnis auf die entsprechenden Medien verlinkte. Vor wenigen Tagen
einigten sich die beiden Parteien und Google darf wieder auf Artikel der
belgischen Zeitungen verlinken. Eine Archivierung ist jedoch weiterhin nicht
gestattet (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070504018 ).
Google bezeichnet sein Verhältnis zu den Zeitungen wenig überraschend als
partnerschaftlich und Gewinn bringend für seine Medienpartner. "Mit unserem
Partner-Programm AdSense verhelfen wir unseren Partnern zu Mehrumsätzen in
Milliardenhöhe. Von unserem Gesamtumsatz 2006 in Höhe von rund 10 Mrd.
Dollar sind 3,3 Mrd. Dollar an unsere Partner, darunter Tausende von
Seitenbetreibern und Verlegern, geflossen", hält Kay Oberbeck, Google
Sprecher für Nordeuropa, den Behauptungen von Fast entgegen. Vielmehr sieht
Oberbeck ein eklatantes Missverhältnis zwischen der Internetnutzung und den
Einnahmen aus Onlinewerbung. "Mediennutzer verbringen 20 Prozent ihrer Zeit
im Internet. Bei der Verteilung der Werbegelder auf die Medien hat das
Internet aber nur einen kleinen Anteil - in Österreich etwa nur 2,5 Prozent
im Vergleich zu TV oder Print", betont Oberbeck.
"Fast ist eine gute Suchtechnologie, hat aber auch ihren Preis", sagt ein
Branchenkenner, der nicht genannt werden möchte, gegenüber pressetext.
Schibsted sei ein positives Beispiel eines Medienhauses, das Google etwas
entgegensetzt und dabei qualitativ mithalten kann. "Aber ansonsten kommt man
um Google nicht herum". Ein Bereich, in dem sich Zeitungen und Suchmaschinen
in die Quere kommen, sei der lokale Suchmarkt. "Regionale Zeitungen sind in
diesem Bereich sehr stark. Entsprechende Online-Angebote werden hier
geschaffen und treten zu den Suchmaschinen, die auch in diesen Bereich
drängen, in Konkurrenz".
Fasts Angebot kommt auf Grund des Preises wohl eher für größere
Verlagshäuser in Frage. Für kleinere Verlage ist es schwierig, ein eigenes
Suchangebot zu schaffen, so wie es Schibsted mit sesam.no vorgezeigt hat.
Hack rät kleineren Verlagen daher die Kräfte in diesem Bereich zu bündeln.
Er betont, dass Fasts Lösungen sowohl lokal als national ausgerichtet sind.
"Es stellt sich die Frage, wer denn eigentlich die Konkurrenz im
Online-Business ist. Ein anderes Medienhaus, das eine andere Region abdeckt,
oder Google? Eine weitere Frage ist, mit wem es mehr Sinn macht zu
kooperieren", so Hack, der das ISA-Netz http://www.isa-netz.de als Beispiel
für eine solche Bündelung der Kräfte nennt, anstatt diesen Bereich
Online-Marktplätzen wie Froogle zu überlassen. Das 2003 gegründete ISA-Netz
ist ein Zusammenschluss der drei Verlage Holtzbrinck, Ippen Gruppe und der
WAZ, um die Online-Aktivitäten besser zu bündeln. Das ISA-Netz betreibt
unter anderem die Portale immowelt.de, stellenanzeigen.de, markt.de und
trauer.de und nutzt seit kurzem auch Fast.
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